Am Nachmittag eine seltsame Stille auf den Wegen im Dorf. Noch keine Traktoren, keine Kühe, keine zufallenden Scheunentore, als würden alle noch mal Luft holen, bevor der Sommer in sie stürzt. Abends lehne ich im Gang der S-Bahn. Die im Winterlicht über dem Horizont stehende Sonne gleißend, ich kann hineinsehen in den weißen Zirkel, in die gelbe Aura. Wir werden eingehen in sie und sie wird uns verschlingen, 5 Milliarden Jahre noch, nicht mehr lang.

Nach Mitternacht gehe ich mit Freunden durch die Dunkelheit zur U-Bahn, gelöste Stimmen, von den Hauswänden prallt unsere Anwesenheit zurück. An meiner Seite die Frau aus Rumänien, die eloquent und gewitzt über alles sprechen kann, neben ihr ein Mann, der sich jedes Wochenende etwas ausdenkt, um Menschen, die sich vorher nicht kannten, analog zusammen zu bringen. Weiter hinten Stella und der Taxifahrer. Im Gemenge vorhin, es war sehr warm, der Bass aus den Boxen fast schmerzhaft, drehte sich eine fremde Frau zu mir und umarmte mich. Ganz sacht ist sie auf mich zugekommen und mit ihren weichen, vorsichtigen Armen in mich hineingegangen.

Ich war ihr so dankbar für ihren Mut. Wie ihr Körper meinem Körper erklärt hat, dass wir in Sicherheit sind miteinander.

In der Nacht darauf finde ich mich auf dem Parkplatz eines Fabrikgebäudes wieder. Auf der Laderampe hinter dem Ausgang verrotten Europaletten, ich habe Lust eine Zigarette zu rauchen, aber keine dabei und stehe daher einfach so. Die Tore des Großmarkts sind geschlossen, am Himmel der dünne Mond, liegend, wie ein Mund.

Am Sonntag trabe ich mit Freunden die Benediktenwand hoch. Schneefelder, unterbrochen von warmen, grasigen Hängen, oben schlafe ich im Kreis der anderen; geteilte Schokolade, Geständnisse, fast verheilte und wieder aufgebrochene Schürfwunden. Unten im Fluss dann vom Fels ins Wasser gleitende Haut, die spitzen Schreie der Badenden. Ich schaue zu und mache Fotos von diesen schönen nackten Menschen. Komm Frühling. Komm, komm, komm.